Verhaltensanalyse (Kettenanalyse) in der DBT: einfach erklärt, mit Vorlage als PDF

Mit einer Verhaltensanalyse, auch Kettenanalyse genannt, schaust du dir ein Verhalten Glied für Glied an: was davor war, was in dir passiert ist und wo du hättest aussteigen können. Hier stellst du dir dein Arbeitsblatt dafür zusammen und druckst es oder speicherst es als PDF. Ausgefüllt wird von Hand. Kostenlos, ohne App und ohne Konto.

Dein Arbeitsblatt zur Verhaltensanalyse: zusammenstellen und als PDF drucken

Das Blatt ist kein Protokoll für andere, sondern deine Spurensuche: Du schreibst, du entscheidest, und Leerlassen ist erlaubt. Du darfst es allein ausfüllen; besprechen kannst du es mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten, in deiner Skillsgruppe oder mit einer Person, der du vertraust.

Geht es dir gerade nicht gut? Du kannst jederzeit mit jemandem reden: Dargebotene Hand 143, für Jugendliche Pro Juventute 147, im Notfall 144.

Liegt deine Anspannung jetzt über deiner Grenze, nimm zuerst einen Skill, zum Beispiel aus der Skillsliste; das Blatt wartet.

Was ist passiert?

Zeitangaben: beim ersten Mal länger; du darfst unterbrechen und später weitermachen. Am besten füllst du das Blatt innerhalb von 24 Stunden aus.

Welches Verhalten?bei Ausführlich und Kurz

Der Chip ändert Beispiele, Hilfesätze, zwei Kästchen, zwei Zusatzfragen (nur bei Ausführlich) und die Skills-Zeile. Das Verhalten selbst schreibst du von Hand.

Blatt

Glieder
Zeilen in der Kette

70 ist eine Konvention aus dem Skillstraining, keine Messgrösse. Setz deine eigene Zahl; das graue Band auf dem Blatt rückt mit. «Von Hand» druckt nur die Linie «Meine Grenze: ___».

Die Frage steht hier, weil solche Gedanken in Ketten vorkommen können und in ein Gespräch gehören. Du kannst sie ausschalten.

Für Gruppen und Praxen

Vorschau

Kein Drucker? Speicher das PDF und füll es am Tablet mit Stift aus.

Lieber eine fertige Vorlage ohne Chip? Vier leere PDFs findest du bei den häufigen Fragen.

Das Tool speichert nur die Einstellungen deines Blatts, und zwar in diesem Browser – ohne den gewählten Chip und ohne den Modus «Rückfall», die nach dem Neuladen wieder auf der Vorgabe stehen. Was du auf das Blatt schreibst, schreibst du von Hand – das Tool überträgt nichts davon an uns. Was die Website sonst erfasst, etwa für die Statistik, steht in der Datenschutzerklärung.

Kein offizielles DBT-Material, ersetzt keine Therapie. Verbesserungsvorschläge an hallo@skills-king.ch.

Was ist eine Verhaltensanalyse (Kettenanalyse)?

Die Verhaltensanalyse (kurz: VA) ist ein Vorgehen aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT), meist schriftlich auf einem Arbeitsblatt. Du zerlegst ein einzelnes Verhalten, das du so nicht wolltest, in kleine Schritte, die Glieder einer Kette. Dieser Teil heisst Kettenanalyse, auf Englisch chain analysis. Danach suchst du in der Lösungsanalyse, wo du hättest aussteigen können. Beides zusammen ergibt die Verhaltensanalyse.

Marsha M. Linehan hat die DBT ursprünglich für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt; heute nutzen viele die Methode auch ohne Diagnose. In der DBT-Einzeltherapie ist die Verhaltensanalyse oft die Hausaufgabe bis zur nächsten Sitzung.

Das Wort Verhaltensanalyse hat mehrere Bedeutungen: In der Psychologie bezeichnet es auch eine Forschungsrichtung, in der klassischen Verhaltenstherapie ein Vorgehen, mit dem eine Fachperson ein Erklärungsmodell erstellt, oft nach dem SORKC-Modell. Hier geht es um die Verhaltensanalyse der DBT, die Kettenanalyse. Den Unterschied zur Verhaltenstherapie erklären die häufigen Fragen unten.

Was ist ein Problemverhalten? Beispiele

Ein Problemverhalten ist ein Verhalten, das du verändern möchtest, weil es dir oder anderen schadet. Auch etwas, das ausbleibt, kann eines sein. Die DBT ordnet nach Dringlichkeit: zuerst, was das Leben gefährdet, dann, was die Therapie stört, dann, was die Lebensqualität stark einschränkt.

Suizidgedanken und Suizidversuche analysierst du nie allein, sondern mit deiner Therapeutin, deinem Therapeuten oder einer anderen Fachperson. Hast du niemanden oder geht es dir gerade nicht gut: Dargebotene Hand 143, Pro Juventute 147, Notruf 144.

Für eine eigene Analyse eignen sich etwa:

  • ein Wutausbruch oder ein Streit
  • ein Essanfall
  • Rückzug oder eine kurzfristige Absage
  • ein Skill, den du nicht genutzt hast
  • etwas Wichtiges aufgeschoben
  • eine Selbstverletzung, sobald die Verletzung versorgt ist (mehr dazu unten)

Pro Blatt ein Verhalten.

Die Glieder der Kette: So ist eine Verhaltensanalyse aufgebaut

Das auslösende Ereignis

Der Auslöser passiert ausserhalb von dir, kurz bevor die Kette losgeht: eine Nachricht, ein Satz, ein Blick. Was war an diesem Tag anders als an einem Tag, an dem nichts passiert ist?

Anfälligkeit (Vulnerabilitätsfaktoren): was dich an dem Tag empfindlicher gemacht hat

Manche Tage machen dünnhäutiger: wenig Schlaf, unregelmässiges Essen, Krankheit oder Schmerzen, Substanzen, Stress, ein laufender Konflikt. Du kreuzt an, was zutraf. Das erklärt, warum es gerade an diesem Tag passiert ist.

Die Glieder: Gedanke, Gefühl, Körper, Impuls, Handlung

Jedes Glied ist genau eines: ein Gedanke (G), ein Gefühl (F), etwas im Körper (K), ein Impuls (I), eine Handlung (H) oder ein Ereignis von aussen (E). Ein Impuls ist der Drang, etwas zu tun. Lieber zehn kleine Glieder als drei grosse: So findest du mehr Stellen zum Aussteigen.

Ausschnitt eines ausgefüllten Arbeitsblatts zur Kettenanalyse: Glieder mit Typ, Stichwort und Anspannung, zwei Ausstiege eingekreist
Die Kette aus dem Beispiel unten, mit zwei eingekreisten Ausstiegen.

Die Folgen: sofort und später

Ein Verhalten bringt im Moment oft etwas, etwa Ruhe oder Entladung, und kostet später. Ehrlich hinzuschauen zeigt, was ein Skill leisten muss.

Die Spalte rechts auf dem Blatt

Neben jedem Glied ist Platz für deine Anspannung von 0 bis 100; verbundene Punkte ergeben den Verlauf. Ab deiner Grenze ist die Spalte grau: ab hier zuerst ein Skill. Vorgegeben ist 70, eine Konvention aus dem Skillstraining nach Martin Bohus, keine Messgrösse; mehr dazu auf der Anspannungskurve.

So füllst du die Verhaltensanalyse aus: Anleitung mit Beispiel

Leeres Arbeitsblatt zur Verhaltensanalyse als Vorlage, A4 hoch: Blatt 1 mit Auslöser, Anfälligkeit und Kette mit Spalte für die Anspannung
Die Vorlage «Ausführlich», Blatt 1, leer.

Vorab: Über deiner Grenze? Dann zuerst ein Skill. Am besten innerhalb von 24 Stunden, nicht im Hoch; 30 bis 45 Minuten, beim ersten Mal länger.

  1. Das Verhalten: Wann, wo, wie lange, wer war dabei?
  2. Der Auslöser: Was ist aussen passiert, kurz bevor es losging?
  3. Was dich empfindlicher gemacht hat: ankreuzen.
  4. Die Kette: ein Glied pro Zeile, Lücken mit «?».
  5. Die Folgen (Blatt 2): gleich danach und später, für dich und andere.
  6. Die Lösung: Ausstieg und Skill (siehe Lösungsanalyse). Mit Chip kommt davor «Genauer hingeschaut» (Nummer 6).
  7. Vorbeugen: Anfälligkeit senken, Frühzeichen.
  8. Wiedergutmachung: Reparatur, mit Datum.

Abschliessen: Was du mitnimmst, Anspannung danach, Belohnung, mit wem besprochen.

Beispiel: Streit in der WG

Robin, eine erfundene Person, schreit nach zehn Stunden Lernen in der WG-Küche den Mitbewohner an. Die Tabellen zeigen die Einträge zum Nachlesen.

Beispiel einer von Hand ausgefüllten Verhaltensanalyse, Blatt 1: Streit in der WG mit Kette und Verlauf der Anspannung
Erfundenes Beispiel, Blatt 1.
Beispiel einer ausgefüllten Verhaltensanalyse, Blatt 2: Folgen, Lösung, Vorbeugen und Wiedergutmachung
Blatt 2 desselben Beispiels.
FeldRobin schreibt
Blatt 1
Wann war es?Dienstag, ca. 21 Uhr, WG-Küche
Anspannung jetzt 0–10045
Das VerhaltenIn der WG-Küche laut geworden, Mitbewohner angeschrien, Tür zugeknallt. Etwa 5 Minuten, er war dabei.
Der AuslöserNach zehn Stunden Lernen heimgekommen, das Geschirr von gestern steht immer noch da.
Empfindlicher gemachtwenig geschlafen · wenig oder unregelmässig gegessen · Stress oder Zeitdruck
Blatt 2
Im Moment gebrachtDruck war kurz raus, ich fühlte mich im Recht.
Später gekostetScham, schlecht geschlafen.
Andere sofortMitbewohner ist zurückgewichen, hat nichts mehr gesagt.
Für andere verändertStimmung in der WG angespannt.
Ausstieg und SkillGlied 2: Fakten prüfen. Glied 4: TIPP, fünf Minuten raus.
Skill gekannt?ja
Skill versucht?nein
Gehindert hatalles ging zu schnell
Anfälligkeit senkenIn der Lernphase etwas essen, bevor ich heimgehe.
FrühzeichenWenn ich einen langen Lerntag erlebe und den Gedanken «immer ich» bemerke, dann prüfe ich die Fakten, bevor ich rede.
Wieder gut bei mirSchlaf: heute früh ins Bett. Vertrauen in mich: den Plan einmal üben.
Wieder gut bei anderenKüche gemeinsam aufräumen und sagen, dass das Anschreien nicht in Ordnung war, bis Sonntag.
Was ich mitnehmeMüde und hungrig bin ich schneller gereizt. Erst essen, dann reden.
Anspannung danach 0–10035
BelohnungKinoabend am Wochenende
NrTypWas geschah?AnspannungAusstieg und Skill
1EGeschirr gesehen35
2G«Immer bleibt es an mir hängen»50Fakten prüfen
3FÄrger60
4KHitze im Gesicht, Kiefer fest70TIPP, 5 Min. raus
5G«Der macht das mit Absicht»80
6IImpuls, ihn anzuschreien85
7Hlaut geworden, Tür zugeknallt90
8FScham70

G Gedanke · F Gefühl · K Körper · I Impuls · H Handlung · E Ereignis von aussen · ○ Ausstieg

Typische Fehler

  • Zu ungenau: «Ich bin ausgerastet» statt was, wann, wo.
  • Den Auslöser nur in dir suchen.
  • Glieder überspringen.
  • Nur Gedanken oder nur Gefühle notieren.
  • Die Folgen vergessen.
  • Die Analyse als Strafe sehen: Sie ist Spurensuche, keine Beichte.

Lösungsanalyse: Wo hätte ein Skill gepasst?

Der Ausstieg

Kreise die Glieder ein, an denen die Kette noch dünn genug war, und schreib dazu, welcher Skill dort passt. Kanntest du ihn, hast du ihn versucht, was hat dich gehindert? Das sind Informationen, keine Fehler. Ideen findest du in der Skillsliste nach Anspannung.

Vorbeugen

Senk die Anfälligkeit, etwa mit Schlaf, Essen und Pausen, und lern deine Frühzeichen kennen: «Wenn ich … erlebe und … bemerke, dann …». Was du dann brauchst, kommt in deinen Skillskoffer.

Wiedergutmachung

Bring genau das in Ordnung, was kaputtgegangen ist, bei anderen und bei dir, mit Datum. Reparatur statt Selbstvorwurf.

Verhaltensanalyse für verschiedene Problemverhalten

Bei «Ausführlich» und «Kurz» wählst du oben einen Chip für das Verhalten. Er ändert Beispiele, Hilfesätze und Zusatzfragen; manche Chips bringen einen Kasten mit Sicherheitshinweisen.

Selbstverletzung

Füll das Blatt erst aus, wenn die Verletzung versorgt ist und du wieder ruhiger bist. Besprich es mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten; wenn du niemanden hast, mit einer Skillsgruppe oder Beratungsstelle. Auf das Blatt gehören keine Einzelheiten zur Art der Verletzung: Wann, wo, wie lange und wer da war, genügt. Nach einem Suizidversuch analysierst du nicht allein, sondern immer mit einer Fachperson.

Mit dem Chip stehen diese Hinweise, die Notfallnummern und die Frage nach Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, immer auf dem Blatt. Als PDF: Wähl oben den Chip «Selbstverletzung», dann «Blatt drucken / PDF» (am Handy «Drucken / PDF») und im Druckfenster «Als PDF speichern». Wenn es gerade nicht mehr geht: Dargebotene Hand 143, Pro Juventute 147, Notruf 144.

Wutausbruch und Streit

Der Chip «Wutausbruch oder Streit» schaut auf dein eigenes Verhalten. Die Zusatzfragen: Was hat die andere Person gesagt oder getan, wie von einer Kamera gesehen? Worum ging es dir, was wolltest du erreichen oder schützen? Wurde jemand verletzt oder hat jemand Angst bekommen, gehört das zusätzlich in ein Gespräch mit einer Fachperson; bei Verletzungen 144.

Essanfall

Der Chip «Essanfall» fragt nach den kleinen Entscheidungen davor, etwa Einkauf, allein sein oder eine Serie, und nach dem Moment «jetzt ist es egal». Bei der Anfälligkeit kommen «wenig oder nach Regeln gegessen» und «Abend allein zu Hause» dazu. Mengen, Kalorien oder Gewicht gehören nicht auf dieses Blatt. Kam danach ein zweites Verhalten, genügt ein Wort. Bei Schwäche, Schwindel oder wenn ein zweites Verhalten öfter vorkommt, lass dich ärztlich abklären.

Abgedriftet, nicht mehr ganz da: Dissoziation

Manchmal ist das Problem kein Tun, sondern ein Wegdriften: weit weg, taub, wie hinter Glas. Fachleute nennen das Dissoziation. Mit dem Chip schreibst du den letzten klaren Moment auf und wie du wieder da warst; die Lücke dazwischen darf leer bleiben. Die Zusatzfragen suchen das erste Frühzeichen und den Reiz, der dich zurückgeholt hat. Was es damals ausgelöst hat, gehört in die Therapie, nicht auf das Blatt. Driftest du beim Schreiben ab, hör auf und erde dich zuerst.

Rückfall und Konsum: die Rückfallanalyse

Die Rückfallanalyse kommt aus der Suchtbehandlung: Nach einer Pause bist du in ein altes Muster zurückgefallen. Das Blatt passt für Konsum, aber auch für Kaufen, Spielen, Handy oder ein anderes Muster. Ein Rückfall ist kein Scheitern, sondern Information für den nächsten Schritt.

Die Kette beginnt hier oft Tage vorher, mit kleinen Entscheidungen: ein anderer Heimweg, Geld dabei, ein Kontakt von früher. Blatt 2 fragt im Kasten «Tür-Öffner» nach dem Satz, mit dem du dir die Erlaubnis gegeben hast, etwa «heute zählt nicht», und unter «Zurück zum Vorsatz» nach den ersten 24 Stunden, etwa «Morgen früh rufe ich meine Beraterin an.» Verlangen oder Suchtdruck schreibst du als eigenes Glied mit I auf; die Spalte bleibt bei der Anspannung.

Leere Vorlage zur Rückfallanalyse, A4 hoch: Blatt 1 mit Auslöser, kleinen Entscheidungen davor und Kette
Die Rückfallanalyse, Blatt 1, leer gedruckt.

Ein Entzug kann je nach Mittel gefährlich sein und gehört dann in ärztliche Begleitung; bei Vergiftungszeichen wählst du 144. Fragen zum Konsum kannst du anonym einer Suchtberatung stellen.

Stell dir oben das Blatt für die Rückfallanalyse zusammen.

Rückzug und Absagen

Auch eine Absage in letzter Minute oder Nachrichten, die du nicht mehr beantwortest, lassen sich als Kette anschauen, mit dem Chip «Allgemein» (Beispiel unten). Wenn du seit Wochen niemanden siehst und dich nichts mehr freut, sprich mit einer Fachperson.

Kurzformen: Verhaltensanalyse in sechs Fragen und die fehlenden Glieder

Kurz: sechs Fragen auf einer Seite

Fehlen Zeit oder Kraft, passt die Kurzform: sechs Fragen in 10 bis 15 Minuten. Stell dir oben die Kurzform zusammen. Auch dieses Beispiel ist erfunden.

Beispiel einer ausgefüllten Kurzform der Verhaltensanalyse auf einer Seite: Verabredung abgesagt
Erfundenes Beispiel zur Kurzform.
FeldRobin schreibt
Wann war es?Sonntag, 17 Uhr, zu Hause
Anspannung jetzt 0–10030
1 VerhaltenMeiner Freundin eine Stunde vor dem Treffen «bin krank» geschrieben. Danach das Handy stumm gestellt, bis zum Schlafengehen.
2 DavorSeit dem letzten Treffen Scham, ich hatte zu viel von mir erzählt. Beim Anziehen der Gedanke: «Das wird wieder peinlich.»
Angekreuztwenig geschlafen
3 GebrachtRuhe, es war vorbei. Ich musste mich nicht zeigen.
4 GekostetDen Abend allein gegrübelt. Meine Freundin fragt nicht mehr nach einem Treffen.
5 AussteigenAm Montag ehrlich geschrieben, dass ich nicht krank war. Dünn war es beim Anziehen: Gegensätzliches Handeln, trotzdem losgehen.
6 Nächstes MalEine Stunde hingehen, mit Ausstiegsplan. Wieder gut: sie zum Kaffee einladen und es ihr erklären.
Anspannung danach 0–10020
Belohnungeine Folge meiner Serie danach

Fehlende Glieder: wenn etwas ausbleibt

Die fehlenden Glieder, auf Englisch Missing Links, schaust du dir an, wenn du etwas nicht getan hast, das du wolltest. Statt einer Kette gibt es eine Treppe mit vier Fragen: Wusstest du, was dran war? Wolltest du es? Ist dir der Gedanke gekommen? Was kam dazwischen? Nach dem ersten Nein darfst du aufhören: ein Plan reicht. Die fünfte Stufe ist ein Zusatz, nicht Teil der Originalmethode. Stell dir oben das Blatt «Fehlende Glieder» zusammen.

Beispiel eines ausgefüllten Blatts zu den fehlenden Gliedern: Atemübung am Abend nicht gemacht
Erfundenes Beispiel zu den fehlenden Gliedern.
FeldRobin schreibt
SitzungDonnerstag
Wann war es?Mittwoch, 22 Uhr, zu Hause
Anspannung jetzt 0–10030
VorgenommenDie Atemübung am Abend, so wie in der Sitzung abgemacht. Am Mittwoch habe ich sie nicht gemacht.
1 Gewusst?ja
2 Gewollt?ja
3 Daran gedacht?ja
4 DazwischenHandy in der Hand, «nur kurz», dann zu müde
Mein PlanHandy lädt im Flur, Übung direkt nach dem Zähneputzen
Was ich mitnehmeIch wollte es ja – mir fehlt nur ein fester Moment ohne Handy.
Anspannung danach 0–10020
BelohnungTee und ein Kapitel lesen

Was dazu passt: Diary Card, Skillsliste und Skillsgruppen

Auf der Diary Card (DBT-Tagebuch) hältst du eine Woche lang fest, wie es dir ging; fällt ein Tag auf, schaust du ihn mit einer Verhaltensanalyse an. Skills für den Ausstieg sammelst du in der Skillsliste, üben kannst du sie in Skillsgruppen.

Auf Papier statt in einer App: Was du schreibst, bleibt bei dir

Hier stellst du das Blatt nur zusammen, ausgefüllt wird von Hand.

  • Nur Einstellungen: Das Tool speichert die Einstellungen deines Blatts in diesem Browser, ohne den Chip und ohne den Modus «Rückfall». Was du schreibst, überträgt es nicht an uns. Was die Website sonst erfasst, steht in der Datenschutzerklärung.
  • Link kopieren: Der Link enthält Modus, Chip und Titel, aber nie, was du schreibst.

Häufige Fragen zur Verhaltensanalyse

Was ist eine Verhaltensanalyse in der DBT?

Ein Vorgehen, meist auf einem Arbeitsblatt, mit dem du ein Problemverhalten Glied für Glied nachzeichnest und danach suchst, wo ein Skill gepasst hätte.

Verhaltensanalyse oder Kettenanalyse: Gibt es einen Unterschied?

Im Alltag nicht. Genau genommen ist die Kettenanalyse der erste Teil der Verhaltensanalyse, die Lösungsanalyse der zweite.

Ist die Verhaltensanalyse in der DBT dasselbe wie in der Verhaltenstherapie?

Nicht ganz, auch wenn die DBT sie aus der Verhaltenstherapie übernommen hat. Dort erstellt eine Fachperson eine funktionale Verhaltensanalyse: Sie ordnet, was ein Verhalten auslöst und aufrechterhält, und plant damit die Therapie. Für eine einzelne Situation nutzt sie oft das SORKC-Modell nach Kanfer und Saslow (horizontale Verhaltensanalyse). Die Kettenanalyse der DBT fragt ebenfalls nach Auslösern und Folgen, aber du schreibst sie oft selbst. Du zerlegst ein einzelnes Ereignis Glied für Glied und schaust am Schluss, wo ein Skill gepasst hätte.

Warum soll ich nach jedem Vorfall eine Verhaltensanalyse schreiben?

Weil jede Kette etwas anders ist. Nach einigen Analysen siehst du Muster. Wie oft, legst du mit deiner Fachperson fest; fühlt es sich wie Strafe an, sprich das an.

Wie lange dauert eine Verhaltensanalyse beim ersten Mal?

Die ausführliche Form 30 bis 45 Minuten, beim ersten Mal oft länger; die Kurzform 10 bis 15 Minuten. Du darfst unterbrechen.

Was, wenn ich mich nicht erinnere?

Lücken sind normal. Schreib «?» in die Zeile und mach beim nächsten Glied weiter, an das du dich erinnerst.

Was, wenn es keinen Auslöser gab?

Dann liegt er oft Stunden früher oder ist klein, etwa eine Nachricht ohne Antwort. Nimm den letzten Moment, in dem es dir noch gut ging.

Muss ich die Verhaltensanalyse allein machen?

Nein. Du darfst sie allein ausfüllen und mit deiner Fachperson, in einer Skillsgruppe oder mit einer Vertrauensperson besprechen. Nach einem Suizidversuch analysierst du nicht allein, sondern mit einer Fachperson.

Kann ich die Verhaltensanalyse im Browser ausfüllen?

Nein, hier stellst du das Blatt nur zusammen. Ohne Drucker füllst du das PDF am Tablet mit Stift aus. Fehlt dir etwas? Schreib an hallo@skills-king.ch.

Gibt es die Vorlage als PDF?

Ja. Stell das Blatt oben zusammen und wähle im Druckfenster «Als PDF speichern». Ohne Anpassen gibt es vier leere Vorlagen: Vorlage «Ausführlich» als PDF (2 Seiten), Vorlage «Kurz» als PDF (1 Seite), Vorlage «Fehlende Glieder» als PDF (1 Seite) und Vorlage «Rückfall» als PDF (2 Seiten). Mit Chip, etwa nach einer Selbstverletzung, stellst du das Blatt oben zusammen; dann sind Kasten und Notfallnummern dabei.

Was ist eine Lösungsanalyse?

Der zweite Teil der Verhaltensanalyse: Wo hätte ein Skill gepasst, wie senkst du die Anfälligkeit, und was machst du wieder gut?

Was sind die fehlenden Glieder (Missing Links)?

Eine Analyse für etwas, das du tun wolltest und nicht getan hast. Vier Fragen zeigen, wo es gehakt hat.

Was ist eine Rückfallanalyse?

Eine Verhaltensanalyse nach einem Rückfall in ein altes Muster, mit zwei Zusätzen: dem Satz, der dir die Tür geöffnet hat, und dem Weg zurück zum Vorsatz.

Ich bin unter 18: Gilt das Blatt für mich?

Ja, am besten mit Unterstützung einer Person, der du vertraust. In der DBT für Jugendliche (DBT-A) arbeiten oft die Eltern mit. Pro Juventute erreichst du Tag und Nacht unter 147.

Darf ich von meiner Partnerin oder meinem Kind eine Verhaltensanalyse verlangen?

Nein, nicht als Forderung, sonst wird sie zur Strafe. In der DBT für Jugendliche lernen Eltern oft in derselben Skillsgruppe mit; dort geht es um das Zusammenspiel aller, nicht um Schuld. Du kannst auch deine eigene Reaktion anschauen.

Wenn es dir gerade nicht gut geht

Du musst damit nicht allein bleiben. Reden kannst du jederzeit mit der Dargebotenen Hand unter 143. Für junge Menschen ist Pro Juventute unter 147 da. Bei akuter Gefahr oder im medizinischen Notfall: Notruf 144.

Quellen

Eigene Formulierungen nach den Grundlagen der DBT, ohne Arbeitsblätter aus diesen Büchern.

  • Marsha M. Linehan: Cognitive-Behavioral Treatment of Borderline Personality Disorder. Guilford Press, 1993.
  • Marsha M. Linehan: DBT Skills Training Handouts and Worksheets. 2. Auflage. Guilford Press, 2015.
  • Shireen L. Rizvi: Chain Analysis in Dialectical Behavior Therapy. Guilford Press, 2019.
  • Shireen L. Rizvi und Lorie A. Ritschel: Mastering the Art of Chain Analysis in Dialectical Behavior Therapy. Cognitive and Behavioral Practice 21, 2014, S. 335–349.
  • Martin Bohus, Martina Wolf-Arehult u. a.: DBT-Skillstraining. Das Patienten-Manual. Schattauer, 2024.
  • Martin Bohus und Martina Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten. Das Therapeutenmanual. 2. Auflage. Schattauer, 2013.
  • Jill H. Rathus und Alec L. Miller: DBT Skills Manual for Adolescents. Guilford Press, 2014.
  • G. Alan Marlatt und Dennis M. Donovan (Hrsg.): Relapse Prevention. Maintenance Strategies in the Treatment of Addictive Behaviors. 2. Auflage. Guilford Press, 2005.
  • Frederick H. Kanfer und George Saslow: Behavioral Analysis: An Alternative to Diagnostic Classification. Archives of General Psychiatry 12, 1965, S. 529–538.

Stand: Oktober 2026

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